Modellprojekt Schwangerschaft und Flucht

Laufzeit 01.05.2016- 30.04.2019

gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend - Laufzeit 01.05.2016- 30.04.2019

Viele junge Frauen, zum Teil mit Kleinkindern unterwegs, sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, um hier Schutz zu suchen. Unter diesen Frauen sind viele, die auf der Flucht oder nach ihrer Ankunft in Deutschland schwanger geworden sind bzw. noch schwanger werden. In intensiven Gesprächen mit der Politik und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat der Bundesverband donum vitae nach Möglichkeiten gesucht, dieser Situation zu begegnen, und das Modellprojekt „Schwangerschaft und Flucht“ entwickelt. Wichtigstes Ziel des Projektes ist die flächendeckende aufsuchende Beratung der Frauen. Auf Wunsch der Frauen kann zu ihrem Schutz auch das Umfeld einbezogen werden, zum Beispiel durch sexualpädagogische Angebote an Männer. So sollen die bewährten Angebote der deutschen Schwangerschafts- beratung im Sinne der §§ 2, 5 und 6 SchKG (Schwangerschaftskonfliktgesetz) für die besondere Zielgruppe der schwangeren Flüchtlingsfrauen und zum Schutz ihrer ungeborenen Kinder zugänglich gemacht werden. Die aufsuchenden Beraterinnen haben dabei eine Lotsenfunktion in das reguläre Hilfesystem.

Erfahrungen und Möglichkeiten in der Schwangerschaftsberatung
Die Schwangerschafts(konflikt)beratung in Deutschland hat nach den §§ 2, 5 und 6 SchKG den gesetzlichen Auftrag, allen Frauen und Männern in Fragen von Schwangerschaft, Familienplanung und Sexualität Unterstützung und Begleitung anzubieten. Diesen Auftrag nimmt u.a. der Bundesverband donum vitae wahr, der an über 210 Orten bundesweit in der Schwangerenkonfliktberatung tätig ist. Um dieses Beratungsangebot auch geflüchteten Frauen zugänglich zu machen, hat donum vitae gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Format der aufsuchenden Beratung entwickelt und realisiert.
Seit Mai 2016 stellt donum vitae passgenaue Angebote in Form der aufsuchenden Beratung für schwangere, geflüchtete Frauen bereit. Bislang wurden 28 Standorte aufgebaut.

Beratung da, wo sie gebraucht wird
Aufsuchende Arbeit hat andere Schwerpunkte als die herkömmliche Beratungstätigkeit. Der Beratungsauftrag in diesem Kontext ist umfangreich und sehr anspruchsvoll. Er fordert eine hohe Flexibilität.
Die Beraterinnen begeben sich in die Lebenswelt der Flüchtlinge, und diese erfahren Hilfe und Unterstützung direkt und konkret und dort, wo sie sich aktuell aufhalten.
Neben lebenspraktischen Fragen zu Geburtsmöglichkeiten und finanzieller Unterstützung geht es in den Beratungsgesprächen angesichts der häufig traumatisierenden Erfahrungen der Frauen verstärkt um psychosoziale Beratung. Die Frauen befinden sich oft in einer Ausnahmesituation, die durch die bestehende Schwangerschaft noch verschärft wird. Weitere drängende Fragen sind der Schutz vor sexualisierter Gewalt, Informationen zu Verhütung und weiterführende Gesundheitsangebote etwa durch Hebammen und Gynäkologen.

Lotsen- und Vermittlerfunktion
Aufsuchende Beratungsarbeit übernimmt eine wichtige Lotsenfunktion, um Frauen und Familien nach der Flucht in der schwierigen Phase von Schwangerschaft, Geburt und Kleinkindalter zu beraten, zu begleiten und sie in das weiterführende Unterstützungssystem zu vermitteln.

Ihre Sprache sprechen
Das Thema Sprache ist in dieser Beratungssituation mit Flüchtlingen extrem wichtig, um Anliegen der Frauen zu verstehen und Sachverhalte verständlich zu machen. Deshalb wird die aufsuchende Arbeit vor Ort, soweit es möglich ist, durch Dolmetscherinnen unterstützt, die für diese anspruchsvolle Aufgabe qualifiziert werden. Zusätzlich werden die Dolmetscherinnen durch eine schriftliche Handreichung unterstützt.
Da davon auszugehen ist, dass nicht in jedem Fall eine Dolmetscherin verfügbar ist, werden zudem fremdsprachige Materialien zur Information der Betroffenen erarbeitet und kultursensibel bebildert. Dabei wird berücksichtigt, dass diese Frauen (und ihre Familien) aus anderen Kulturkreisen und Rechtssystemen stammen.
Genutzt werden außerdem die schon zur Verfügung stehenden Informationen z.B. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und von anderen Trägern.

Netzwerke bilden
Seit 2015 engagieren sich viele Träger und Organisationen in der Flüchtlingshilfe. Sie entwickelten vielfältige Angebote. Auch engagieren sich die ehrenamtlichen Vorstände und hauptamtlichen Beraterinnen und Berater von donum vitae an den Orten, wo Flüchtlinge eintreffen und leben, unterstützen und beraten sie. Es ist donum vitae ein großes Anliegen, mit den unterschiedlichen Akteuren vor Ort zu kooperieren, Netzwerke zu bilden und Expertenwissen in der Flüchtlingshilfe auszutauschen. Kooperationen und Netzwerke werden vor Ort entwickelt. Auf Bundesebene erfolgt die Kooperation mit dem bewährten Instrument eines Projektbeirats. Er hat beratende Funktion und soll die beteiligten Organisationen und Träger strukturell vernetzen.